Haftung des Pflegeheimträgers bei Verbrühungen

Das Landgerichts Görlitz hatte über einen Unfall in einem Behindertenwohnheim zu entscheiden, bei dem sich eine mittelgradig geistig und körperlich behinderte Heimbewohnerin schwere Verbrühungen bei einem Wohlfühlbad zugezogen hatte. Während des Wohlfühlbades gelang es der Heimbewohnerin das vom Pflegepersonal vorbereitete Badewasser aus der Wanne abzulassen und unkontrolliert heißes Wasser nachzufüllen. Dies wurde vom Pflegepersonal zunächst nicht bemerkt, da die Heimbewohnerin zur Wahrung ihrer Privatsphäre im Bad allein gelassen wurde. An der Badewanne waren keine Temperaturregler oder -begrenzer installiert, die eine unkontrollierte Entnahme kochend heißen Wassers durch die Heimbewohner verhindert hätten. Die Heimbewohnerin musste aufgrund der schweren Hautverletzungen in eine Spezialklinik für Brandverletzungen verlegt und dort mehrfach operiert werden. Das Landgericht Görlitz hat der Klage gegen den Heimträger stattgegeben. Das Pflegepersonal und der Heimträger hätten ihre Verkehrssicherungspflicht gegenüber der Bewohnerin verletzt. Entweder hätte das Pflegepersonal die Heimbewohnerin während des Wohlfühlbades nicht unbeaufsichtigt lassen dürfen oder der Heimträger hätte technische Vorkehrungen treffen müssen, um den Wasserhahn an der Badewanne vor unkontrollierter Entnahme heißen Wassers durch die Heimbewohnerin zu sichern. Die Installation eines entsprechenden Thermostates sei ohne weiteres möglich gewesen.